Lucia

Guadalajara, 23.06.2017

Viel ist in letzter Zeit passiert! Nun ist das Familienfest vorbei, schon werden neue Tanzschritte für das nächste Event einstudiert. Ich möchte euch heute besonders von „meinen Kindern“ erzählen. Ein kunterbunte, manchmal auch laute, launische, fleißige, kreative, lustige Gruppe von Kindern. Die Kleinste meiner Gruppe ist drei Jahre und die Ältesten sind 9 Jahre alt. Diese große Altersspanne ist für eine Gruppe aus der Preescolar ungewöhnlich, doch dies hängt vor allem mit der Behinderung der Kinder zusammen. Betrachtet man nämlich die Benachteiligungen dieser Kinder, so gibt es blinde Kinder; Kinder, die nur noch Schatten und Licht unterscheiden können; Kinder, die nicht sprechen können, Kinder mit Autismus; Kinder, die bis jetzt noch gut sehen können, denn die Gefahr besteht, dass sie später erblinden werden. Doch was man auf keinen Fall vergessen darf ist, dass diese Kinder  Fähigkeiten besitzen, die wir niemals besitzen werden.  Aus diesem Grund möchte ich euch einen Satz nennen, der mir besonders gut gefällt ist:

„Unsere Kinder sehen nicht mit den Augen- unsere Kinder sehen mit den Händen“

Vor kurzem hat mir ein Mädchen gesagt: „Lucia! Ich kann nicht sehen!“
Mir war es bewusst, dass sie nicht sehen- doch trotzdem war ich in dieser Situation überfordert und wusste im erste Moment nicht was ich darauf antworten soll. Bis die Lehrerin einsprang und ihr erklärte, dass es Kinder gibt die sehen können und Kinder gibt, die eben nicht sehen können. Und so hart wie dieser Satz klingen mag- es ist die Wirklichkeit!
Man möchte die Kinder nicht anlügen und sie bemitleiden, denn das hilft ihnen in ihrer Situation auch nicht weiter.
Da dieses Mädchen seit ihrer Geburt Blind ist- hat sie all die Dinge auf unserem Planeten noch nie in Wirklichkeit gesehen. Doch ich bin mir sicher, dass es in ihrem Kopf auch eine farbenbunte Welt gibt, die wir dennoch nie kennen lernen bzw. sehen werden.
Der Grund für die Blindheit vieler Kinder ist unterschiedlich. Entweder liegt ein Genetischer Fehler vor, oft ist es auch eine Frühgeburt. So sind einige Kinder bereits nach dem fünften Schwangerschaftsmonat auf die Welt gekommen. In dieser Entwicklungsphase ist das Auge bzw. der  Sehsinn noch nicht vollständig ausgebildet wodurch es zu Behinderungen/ Blindheit kommen kann.
Man muss sich auf die Kinder einlassen können und sie als normale Kinder sehen.
Denn auch wenn ihnen ein Sinn fehlt, können sie schreiben, lesen, hören, fühlen, rennen, weinen, lachen, essen, Schmarn machen, singen, tanzen,… und viele Dinge mehr!
So kommt es auch vor, dass einzelne Schüler meinen, dass alle nichts sehen können.
Wie soll man als blindes Kind auch auf die Idee kommen, dass andere Personen mehr können als du selbst?

Äußerlichen sieht man es einigen Kindern überhaupt nicht an, dass sie nichts sehen können. Das Auge ist nicht verstellt und das Augenlied bewegt sich regelmäßig. Dennoch gibt es auch den Fall, dass die Augen verstellt sind, d.h. man sieht keinen Augapfel, man sieht keine Pupille, die Augen sind verschwommen und die Iris bildet keinen klaren Rand ab.
Zu Beginn erschrickt man vielleicht, doch es wird Alltag und man nimmt jedes Kind wie ES IST!


Kennt man die Verhältnisse, Herkunft, Vergangenheitsgeschichten der Kinder, fällt es uns Lehrerinnen leichter bestimmte Verhaltensweisen im Unterricht einzuordnen. Warum ein Kind Angst hat, warum es müde ist, warum es sich nicht konzentrieren kann …
Viele Kinder wohnen außerhalb der Stadt und haben so weite Anfahrtswege (bis zu zwei Stunden) zur Schule. Je nachdem wie fit einzelne Schüler sind, besuchen sie nur für zwei Tage Helen-Keller und die restlichen Tage eine Regelschule. So ist die tägliche Anzahl von Schülern im Salon von Tag zu Tag sehr unterschiedlich. Da viele Kinder nur arbeiten, wenn sie einzeln betreut werden- ist man auch mit wenigen Kindern schon sehr beschäftig!
Es gibt zwei Arbeitsmethoden mit denen wir hauptsächlich in der Primaria jeden Tag arbeiten:
Die erste Methode ist das Nachfahren der Linien mit Heißkleber. Bei der zweiten Methode legt man ein Drahtgitter unterhalb des Papiers und fährt die Linien auf dem Papier fest nach. So zeichnet sich das Gittermuster auf dem Papier ab. Bei beiden Methoden lassen sich die Linien auf dem Papier fühlen.

In der Primaria wird hingegen fleißig mit dem Abaco oder mit der Mathekiste gerechnet.
Sobald man das Prinzip des Abacos verstanden hat, lässt sich jede Art von Rechnung problemlos lösen. Man beginnt mit kleinen Zahlen und arbeitet sich dann bis zu den mehrstelligen Zahlen hoch.
In der Secundaria in der Klasse von Pau sind die Schüler schon rasende Mathgenees und können schneller als ich rechnen.

In drei Wochen ist das Schulfest, auf das jede Klasse einen Tanz vorbereitet.
Dies ist einerseits echt eine Geduldssache doch andererseits auch super lustig und spannend. Denn auch wenn es einheitliche Schritte gibt- tanzt jedes Kind auf seine eigene Art und Weise. Wie soll ich denn wissen, wie die anderen tanzen?
Ich freue mich schon auf das Schulfest und bin schon gespannt, wie unser Tanzauftritt wird!!

Guadalajara, 02.05.2017

Lang ist es her, dass ich mich gemeldet habe. Dafür habe ich euch heute eine Menge zu erzählen! Erst möchte ich euch verschiedene typische mexikanische Gerichte und Getränke vorstellen und daraufhin von einer wichtigen mexikanischen Künstlerin namens Frida Kahlo erzählen. Zum Schluss berichte ich euch noch ein paar Einzelheiten, was ich in den Oster-/Pfingstferien schönes erlebt habe.

Essen

Als Vegetarier, wie ich es bin, hat man es in Mexiko zwar nicht unbedingt leicht, weil es so gut wie zu jedem Essen Fleisch gibt, doch es gibt auch vegetarisches Essen, wie z.B. Quesadillas, die man so gut wie bei jedem Tacostand bekommt 🙂
Quesadillas sind zusammengefaltete, mit Käse gefüllte Tortillas. Dazu kann man Chile, Petersilie, Zwiebel nach Geschmack selbständig dazu geben.

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Des Weiteren gibt es Gorditas. Hierbei gibt zwei verschiedene Arten der Zubereitung:   Entweder wird eine Art „Blumenuntersetzer“ aus Tortilla Teig geformt und mit Bohnen, Kartoffel, Käse, Fleisch, … gefüllt, oder die Füllung wird in die Tortilla gefüllt und anschließend in Fett rausgebacken. Je nachdem wo man gerade ist, hat dieses Gericht auch den Namen: Sope


Eines meiner mexikanischen Lieblingsessen sind Enchilladas con queso. Das sind Käse gefüllte Tortillas, die in eine rote Salsasauce eingetaucht werden. Das typische an Enchilladas ist die Salsasauce, doch im Allgemeinen gibt es verschiedene Arten von Enchilladas: mit Gemüse, Fleisch, Huhn, …

Einer der beliebtesten Essen, das man an fast jeder Straßenecke bekommt und das in einem Leben eines Mexikaner nie fehlen darf sind die berühmten mexikanischen Tacos. Tacos sind kleine Tortillas, die mit verschiedenen Fleischsorten wie Bistec, Pastor, Chorizo,… gefühlt werden. Je nach Geschmack kann man sich Koriander, Petersilie, Zwiebel und Salsa selbst dazu servierern.

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So viele Tacostände man sieht gibt es auch Stände, wo man sich eine Elote kaufen kann. Dazu nehme man einen Becher gefüllt mit gekochten/gerösteten Maiskörnern. Hinzu gibt man Crema/Mayonnaise, Limette, Salz, Käse und Chile und fertig ist der Snack.

Getrocknete Tortillas sind Tostadas!
So gibt es die belegten Tostadas mit Bohnen, Salat, Fleisch, Avocado,Käse, …, was etwas Feines ist!

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Gern werden auch Chilaquiles gemacht. Ein traditionelles, mexikanisches Gericht,
dass aus trockenen Tortillas oder frittierten Tortillachips in einer roten oder gchilaquilesrünen Salsasoße zubereitet wird. Zu diesem Gericht, was man gerne zum Frühstückt isst, werden meist Bohnen und Käse dazu serviert.

 

Und nicht zu vergessen- Tamales!
Tamales werden aus einer Maismasse gemacht und mit verschiedenen Zutaten sei es  herzhaft (mit Chili, Fleisch, …) oder süß (mit Erdbeere, Ananas, …) befüllt und in Maisblätter eingewickelt.

Tamales

Das war nur eine kleine Auswahl von leckeren mexikanischen Gerichten. Es gibt weitaus mehr, doch ich hoffe ihr seid auf den Geschmack gekommen!

Getränke

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Pozol

Zum Essen braucht man auch immer etwas zum Trinken!
Das Beste sind die frisch gepressten Fruchtsäfte, aus Orange, Papaya, Guayaba, Erdbeere, Wassermelone, Mango, Ananas, … und vieles mehr.

Auch gibt es leckere Licuados, dass sind Michshakes, die es mit verschiedenen Geschmäckern (Erdbeer, Bananae, Papaya, Guayaba, …) gibt. Einfach und sehr lecker!

Dann gibt es noch spezielle Erfrischungsgetränke: Hochata, ein Getränk aus Reisgrieß, Wasser und Zucker.
Atole, ein weiteres, ähnliches typisches Getränk, dass man meist warm zum Frühstückt trinkt. Es wir aus Maismehl mit Wasser oder Milch zubereitet.
Ein traditionelles Erfrischungsgetränk aus Chiapas, was ich auch nur empfehlen kann ist Pozol, ein Mais-Kakao-Getränk.

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Ein Getränk, dass oft an Straßenständen verkauft wird ist Tejuino. Zubereitet wird dieses milchflüssige Getränk mit zwei ausgepressten Limetten, Eis, einer Masse aus Maismehl und Wasser. An heißen Sommertagen optimal!

 

 
Nun zu ein paar speziellen alkoholischen Getränken in Mexiko!
Eines der bekanntesten, mexikanischen, alkoholischen Getränke ist Tequila.
Ein Getränk, das aus der blauen Agave, die in der Gegend von Tequila (ein Ort in der Nähe von GDL) angepflanzt wird, hergestellt wird.

Ein weiteres typisches Getränk auch als Nationalgetränk Mexikos gilt und aus Agavenmost hergestellt wird ist Pulque.

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Und wenn man eine Alternative zu einem Bier sucht,sollte man zu mindestmal einmal eine Michelada, probieren.20170430_154507 Dieses Biermischgetränk besteht zur einen Hälfte aus Bier und zur anderen Hälfte aus Salz, Limette, Maggi, Clamato,(Tomatensaft) und ab und zu befinden sich Gurkenstücke darin. Nach unserem Geschmack ähnelt es einer Tomatensuppe.

 

 

 

Nun zu meinen Oster-/Pfingstferien: Viele verschiedenen Orte durften wir in Mexiko kennen lernen. So war ich unter anderem in Mexiko Stadt, wo ich auf Frida Kahlo aufmerksam geworden bin und ihr Zuhause “la casa azul” besucht habe.

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Frida Kahlo ist einer der bekanntesten Malerinnen Mexikos, wenn nicht sogar Lateinamerikas. Sie kam 1907 als drittes Kind von sechs in einer bürgerlichen Familie auf die Welt. Mit 6 Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung und 12 Jahre darauf erlitt sie durch einen Verkehrsunfall starke Verletzungen, dass ihr Leben schlagartig änderte. Ab diesem Zeitpunkt war sie ans Bett gebunden und trug ein Koset. Zum Zeitvertreib fing sie an zu malen. Außerdem lernte sie Diege Rivera, einer der drei größten Künstler dieser Zeit kennen und heiratete ihn trotz des großen Altersunterschieds von 20 Jahre. Auch wenn die Ehe wegen Untreue und Rücksichtslosigkeit seiner Seitz nicht lange hielt heirateten sie ein Jahr nach der Scheidung erneut. Ob es wirklich die Liebe war, bleibt fragwürdig. 25 Jahre lebten sie gemeinsam im „casa azul“ in Coyoacán in Mexiko Stadt.
In ihren Werken und Fotografien spiegeln sich ihr Leiden und ihre Krankheit wieder. So zeichnet sie z.B. in einer ihrer Werke ein Baby außerhalb ihres Körpers, was auf ihre Unfruchtbarkeit hinweisen soll. In ihren Fotografien lässt sich feststellt, dass sich Frida Kahlo gern in den Mittelpunkt stellt. Durch ihre traditionelle, mexikanische Tracht, ihren strengen Gesichtsausdruck und ihre Hochsteckfrisur möchte sie ebenfalls dadurch ihre Leidensgeschichte darstellen.

Erst nach ihrem Tod 1954 mit 47 Jahren wurden ihre Werke weltweit bekannt. Bis heute zeigt sich großes Interesse an Frida Kahlo, was sich unter anderem an den langen Warteschlangen vor dem Museum „casa azul“ sehen lässt.
Doch es lohnt sich auf alle Fälle!!

Des Weiteren besichtigte ich andere Orte in Mexiko Stadt wie Chapultapec und das Castillo, Bellas Arte, la Cathedral, … und die Basilica de Guadelupe.

Religion spielt im Alltag der Mexikaner eine große Rolle. So sind über 90% der Bevölkerung römisch-katholisch, im Vergleich dazu sind es in Deutschland nur 30% (und 30% evangelisch). Die Basilika Guadelupe ist ein besondere Ort, wo jedes Jahr 1000de von Menschen sich versammeln um Gottesdienste gemeinsam zu feiern. Ein besonderer Tag ist der 12. Dezember; Feiertag der Jungfrau von Guadelupe. Doch wer ist eigentlich Maria von Guadalupe? Maria von Guadelupe ist die Schutzheilige von Mexiko. Charakteristisch für sie ist der dunkelblaue Umhang bestickt mit vielen Sternen.

Die Tage um Ostern besuchten wir eine Freundin in der Nähe von Toluca. Ostern, was für mich persönlich ein besonderes christliches Fest im Jahr ist, feierten wir dieses Jahr auf eine andere Art und Weise wie ich sie vorher noch nicht kannte. Doch auch wunderschön! Die Nacht vor Ostersonntag fuhren wir in ein kleines Dorf und feierten dort mit der Gemeinde die Auferstehung Jesus. Die Kirche war voll von Leuten und selbst draußen standen sie noch. Es wurde in einem einfachen Stil die Wortmesse gefeiert. Das besondere war der Moment der Auferstehung! Konfetti, Luftballons wurden durch die Luft geworfen, eine Musikgruppe spielte und Jesus wurde von der Decke abgeseilt. Sobald die Messe aus war, begann erst die richtige Feier auf dem Vorplatz vor der Kirche. Eine Musikgruppe spielte live und es wurde im Kreis getanzt. Einige Leute haben sich bunt verkleidet und Masken aufgesetzt. Es war eine herrliche, heitere und fröhliche Stimmung. Und was natürlich nie fehlt- das Essen, mmhh! 😊 Einige Frauen des Dorfes bereiteten leckere Tamales, Elote, Chilaquilles, Pozole, … und vieles mehr vor. So konnte die ganze Nacht gefeiert werden.

Am Nächsten Morgen gab es zwar kein Osterlamm und auch wurden keine Schokoostereier im Garten gesucht, doch dafür frühstückten wir leckere Chilaquilles.

Gleich der Mittwoch nach den Ferien machten wir mit den Kindern zum Tag des Kindes (día del niño) einen Ausflug zu Rock Azul, einem Balneario. Die Kinder freuten sich schon riesig darauf. Sobald wir mit dem Bus angekommen sind, gings ins Wasser! Und wer hätte es gedacht, es hat einfach allen Spaß gemacht, und was mich erstaunt hat war, dass keines meiner Kinder im Wasser Angst hatte.
Mittag gabs zur Stärkung leckere Hamburgesasa und zur Nachspeise `Arroz con leche`. Anschließend ging es ans Piñata schlachten, wo alle Kinder immer wild darauf sind und sich so viele Süßigkeiten wie nur möglich schnappen wollen.

Es war ein erlebnisreicher, schöner aber auch anstrengender und langer Tag für die Kinder wie auch für die Lehrer 😉
Ach hab ich euch schon von den Puenten in Mexiko erzählt?
Hier gibt es zwar wenige Ferien, dennoch dafür mehr Puenten. Puenten sind verlängerte Wochenenden. D.h. wenn ein Feiertag auf Samstag fällt ergibt sich kein normales Wochenende, sondern dieser Feiertag wird auf Montag verschoben und somit ergibt sich ein verlängertes Wochenende bis Montag 😊

 

Guadalajara, Dienstag 28.02.2017

Lang ist es her, dass ich meinen letzten Blogeintrag geschrieben habe…
Falls ihr jetzt, bereits Ende Februar euch noch fragt, wie man Weihnachten in Mexiko feiert möchte ich es euch kurz erzählen: Da wir über Weihnachten nach Chiapas gereist sind, haben wir Heilig Abend unter uns gefeiert und gingen, wie die Anderen abends in die Messe.
Anschließend versammelten sich die Menschen auf dem Hauptplatz vor der Kirche. Dort trafen sie sich um zu quatschten, zu essen, zu tanzen, die Kinder spielten und aus allen Ecken hörte man Musik. Doch nicht für alle war es ein freier Abend, die Geschäfte, wie auch die Stände mit Artesanias waren die ganze Nacht lang auf. Ich hatte auch das Gefühl, dass Weihnachten, so wie ich es erlebt habe, hier ein lebendiges Straßenfest, wie jedes andere ist, das man nicht, wie bei uns nur im Kreis der Familie Zuhause feiert.

Bereits am 3.01.2017  ging es nach den Weihnachtsferien mit den Lehrerkonferenzen und am 9.01 mit der Schule wieder los. Es war schön, die Kinder wieder zu sehen!
Nun geht es wieder ans Arbeiten: Die Kinder lernen Buchstaben, Zahlen, bastelten Meeres- und Haustiere und vieles mehr. Letzten Freitag nahmen Margareta und ich in der Klasse von Gloria am Braile-Wettbewerb teil: Wer liest innerhalb von 15 Minuten die meisten Wörter? Lesen in Braile ist schon um einiges anstrengender, doch es macht Spaß! Mit unserer Anzahl an Wörtern waren wir schon gut im Rennen, doch einige Kinder haben uns ums vielfache der Wörter geschlagen 😀

Heute möchte ich euch weitere aktuelle mexikanische Traditionen vorstellen:
Am Tag der Heiligen drei Könige (6.01.2017) gab es leckere Rosca de Reys, ein ringförmiges süßes Gebäck. Das Besondere an diesem Zopf sind die rein gebackenen Plastik-/Keramik Figürchen, die das Jesuskind darstellen. Denn nachdem Jesus geboren ist, wollten die Truppen von Herodes Jesus auffinden, so musste Jesus, wie in dem Gebäck, gut versteckt werden. Wer nun eine solche Figur in seinem Stück hat, musste am 2. Februar (Maria Lichtness) Tamales mitbringen.

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Feliz cumpleaños!!
Wird ein Geburtstag in Mexiko anders gefeiert wie in Deutschland? Welche Besonderheiten gibt es?
Wie auch in Deutschland, wird gesungen. Das Geburtstagslied: „ Las mañanitas“, könnt ihr euch unter folgendem Link: https://www.youtube.com/watch?v=a1Q6Zg8LPM4 anhören.
Daraufhin folgt „Qué lo muerda, Qué lo muerda, …“, das heißt so viel wie: „Beiß in den Kuchen!“ Währenddessen sind die Hände der Freunde am Hinterkopf des Geburtstagskindes auf bereit Stellung um den Kopf bzw. das Gesicht in den Kuchen zu drücken. Anschließend wird gemeinsam Kuchen gegessen und gefeiert. An Kindergeburtstagen gibt es noch eine, mit Süßigkeiten gefüllte, Piñata, wie man sie von den Weihnachtsfeiern kennt.

Quinceañera, ein besonderer Geburtstag!
Der 15. Geburtstag eins Mädchen ist in Lateinamerika wie in Mexiko von großer Bedeutung.
Es wird der Übergang vom Mädchen zu einer Frau im großen Rahmen gefeiert. Die Mädchen tragen pompöse bunte Kleider, die Hochzeitskleidern ähneln und tanzen bei der Feier mit Jungs im gleichen Alter.
„Rubí Ibarra García“ ist das neue Gesprächsthema, wo jeder Bescheid weiß. Eine private Quinceañera ist am 26.12.16 völlig aus dem Ruder gelaufen. Nachdem der Vater von Rubi mit einem harmlosen Video über Facebook die Familienangehörigen zur Geburtstagsfeier seiner Tochter einlud, meldeten sich über eine Millionen Gäste. Zuvor war Rubi ein normales Mädchen, jetzt ist sie fast das berühmteste jüngste Mädchen in ganz Mexiko. An ihrem besonderen Tag kamen Journalisten, bekannt Sänger und der Geburtstag  wurde zu einem riesen Event.

Unser zweites Projekt CODENI!
Seit Mitte Januar helfen Margaret und ich einmal in der Woche in CODENI, ein Zentrum für Kinder im Alter von 7 bis 17 Jahren, deren Eltern bzw. auch sie selber auf der Straße arbeiten. Erst helfen wir ihnen bei den Hausaufgaben, dann wird gespielt, gezeichnet, Fußball gespielt oder man geht in den Park um die Ecke. Auch wenn wir bis jetzt noch nicht oft dort waren, gefällt es mir sehr gut und es macht Spaß mit den Kindern zu arbeiten bzw. zu spielen.

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Mitte Februar machten sich Margareta, Justus und ich auf den Weg nach Querétaro, (circa 5 Stunden Busfahrt von GDL) zu unserem Zwischenseminar. Dort trafen wir uns mit anderen deutschen Freiwilligen aus anderen Organisationen, die ebenfalls ein freiwilliges soziales Jahr in Mexiko bzw. in Dom. Rep gerade machen. Wir freuten uns darauf und es war eine wunderschöne Woche mit viel Austausch und interessanten Themen. Da wir innerhalb der 6 Monate selber schon Erfahrung gesammelt haben, waren die meisten Themen, wie z.B. interkulturelle Kommunikation sehr präsent und so sehr spannend.  Da das Seminarhaus, wo wir die ganze Woche über waren, ca. 20km außerhalb der Stadt lag, besichtigen wir an einem Tag in der Woche gemeinsam Querétaro. Durch die vielen Parks und engen Gassen mit kleinen Ständen hatte man den Eindruck, dass es auch eine Stadt in Frankreich oder Italien sein könnte.

Als wir wieder zurück kamen feierten wir mit den Kindern in der Schule „ el dia de la bandera“, übersetzt: „Tag der Flagge“. Normalerweise wäre dieser Tag erst am 24.02, doch wegen einer Lehrerkonferenz wurde die Feier nach vorne verschoben. Die mexikanische Hymne wurde mit musikalischer Begleitung von Polizisten angestimmt und die Schüler und Lehrer haben gesungen. Daraufhin stellten die Kinder der Preesscolar  ihre gebastelten Flaggen vor und dann wurde Essen (Gemüse, Früchte, Gelatine, …) in den mexikanischen Farben: rot, weiß, grün verteilt und genüsslich verspeist. Es war eine schöne Schulfeier! Außerhalb der Schule ist dieser Tag, dennoch unscheinbar.

Guadalajara, Samstag 17.12.16

Hola mis amigos!
Espero estan bien?! Vor wir in Urlaub, nach Chiapas fahren möchte ich euch noch vom „mexikanischen Advent“ erzählen. In der Schule bastelten wir, mit den Kindern zusammen einen riesen Weihnachtsbaum. Aber keinen Weihnachtsbau, wie ihr in kennt, nein. Dieser Weihnachtsbaum bekam seine Form durch ein Drahtgestell, indessen Lücken wir eine Flechtpflanze hineingeflochten haben. Mit Glitzer bestreuten Flaschenverschlüssen, Karten, Schleifen aus Pfeifenputzer, … und fertig ist der arból de navidad.
Die Kinder, wie auch die Lehrerin waren stolz darauf, einen so schönen Weihnachtsbaum im Klassenzimmer zu haben.


Der Advent ist eine schöne Zeit; draußen ist es kalt und drinnen ist es warm. Es werden Plätzchen gebacken, Adventskränze gebastelt, die Kinder freuen sich jeden Tag eine Tür am Adventskalender zu öffnen, man geht auf Weihnachtsmärkte und trinkt Glühwein oder Kinderpunsch, …
Hier ist alles ein bisschen anders: So haben wir Mitte Dezember, bei täglichem Sonnenschein, immer noch 25 Grad, dass nicht gerade an Weihnachten erinnert. Auch die Tradition von Adventskranz ist hier nicht sehr präsent und Adventskalender kennt man hier nicht. Doch, dass wir den Advent nicht ganz verpassen, haben wir uns selber einen Adventskranz und eine Krippe fürs Zimmer gebastelt.
Im Wohnheim, wie auch in der Schule fanden in der Vorweihnachtszeit Posadas (Weihnachtsfeiern) statt. Diese werden hier auf eine ganz eigene, schöne und feierliche, traditionelle Art gefeiert.
Es beginnt mit der Postarela, dem Hirtenspiel: Die Gruppe wird in 2 Gruppen aufgeteilt; ein Teil befindet sich vor dem Haus, der andere Teil im Haus.
Abwechseln wird ein Text/Lied gesprochen, das auf die Suche nach einer Unterkunft von Maria und Josef anspielt. Nach zweimaliger Abweisung wird die Gruppe ins Haus eingeladen und die Fiesta kann beginnen! Es gibt Ponche, eine Art Punsch mit vielen verschiedenen Früchten; entweder mit Alkohol (Piquete) für Erwachsene oder ohne, für die Kinder. Der Höhepunkt für die Kinder ist der Brauch der Piñata. Eine Piñata ist eine aus Pappe angefertigte und mit Krepppapier umwickelte Figur, heutzutage oft in Anlehnung an eine Comicfigur oder in Form eines Sternes. Diese wird mit Süßigkeiten befüllt und aufgehängt. Zu den Spielregeln gehört, dass man sich die Augen verbinden muss. Nachdem man einen Stock in der Hand hält und das Lied der Piñata anfängt muss man versuchen, die Piñata zu zerschlagen. Um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, wird die Piñata auf einem Seil aufgehängt und in der Luft herum gewirbelt. Sobald das Lied vorbei ist, wird getauscht. Dieses Spiel wird so oft wiederholt, bis die Piñata auseinanderbricht und zu Boden fällt. Dann heißts schnell sein, und sich so viele Süßigkeiten wie möglich zu krallen.


Anschließend wird mit Musik, Spielen, und leckerem Essen gefeiert.
Ein typisches Lied, dass wir auch mit den Kindern einstudiert haben und bei jeder Posada  rauf und runter läuft heißt: „El Burrito Sabanero“
(Unter dem Link: https://www.youtube.com/watch?v=ODKhBgLYUZU, könnt ihr euch es auf Youtube anhören)
Diese Art von Posadas ähnelt ein bisschen an einen Kindergeburtstag, doch es macht den Kleinen wie auch den Großen Spaß!
Ich wünsche euch jetzt schon frohe Weihnachten mit eurer Familie und sieben Tage darauf einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017!!
Feliz navidad y un feliz año nuevo!!
Un abrazo Lucia

Guadalajara, Freitag 11.11.2016

Hallo Ihr Lieben 🙂
Seit meinem letzten Blogeintrag ist schon wieder viel Zeit vergangen.
Im Oktober haben wir wieder viel erleben dürfen. So waren wir mit allen Kindern von Helen Keller Anfang Oktober auf den „Fiesta de Octubre“. Dies ist eine Art Freizeitpark mit Fahrgeschäften und anderen Abenteuer-/Erlebnishallen. Zuerst waren wir in einer Halle, in der ein Weg zu verschiedenen Fantasiewelten geführt hat:  img_0597Einmal bewegte sich der Boden, als wäre man auf einem Boot unterwegs; im Urwald plätscherte das Wasser und Pflanzen hingen von der Decke, in der Eiswelt konnten die Kinder die Eiszapfen an den Wänden abtasten und zum Schluss führte uns eine Zugfahrt durch verschiedene Städte auf der Welt. Jede Lehrerin hatte 3 Kinder- so konnte kein Kind verloren gehen. Nach einer kurzen Essens-  und Verschnaufpause gingen wir mit den Kindern in eine Art Theatervorstellung, in der die Kinder selber aktiv mitspielten und mit einem Tuch die Wellen des Meeres darstellten. Zum letzten Event dieses Tages gehörte die Dinosaurierwelt, in die wir nach langem Warten endlich eintreten durften. Mit Freude und ein bisschen Erschöpft gingen wir anschließend zurück zum Bus. Auch wenn es für die Lehrer, wie auch für die Schüler anstrengend war, hat es allen und besonders den Kindern gut gefallen.
Im Nachhinein würde ich gern wissen, wie die Kinder die „Welten“ bzw. den Freizeitpark wahrgenommen haben.

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An einem Sonntag machten wir gemeinsam mit einem mexikanischen Freund eine Wanderung in den großen Urwald östlich von Guadalajara- in die Barranco de Oblatos.
Der steinige Weg ging zuerst 600m abwärts bis zum erwartenden Fluss. Schon als wir abwärtsstiegen kamen uns eine Menge Leute entgegen, die schon wieder zurückkehrten. Da es vormittags noch geregt hatte wurde der Weg zu einer rutschigen Angelegenheit. Es war schön mitten im Grünen zu sein. Unten angekommen gingen wir Flussabwärts bis zu einer Brücke, wo wir auch unser Picknick machten. Es war sehr warm und schwül, was den Aufstieg mit vielen Treppen erschwerte. Oft war der Weg durch hohe Gräser zugewachsen, was den Weg noch schleichwegartiger machte. Es gibt auch einen anderen direkten Weg oder besser gesagt eine steile alte Zugstrecke, die von vielen Mexikaner benutzt wird. Ist aber nicht zu empfehlen!!
Wir waren froh, oben heil angekommen zu sein 😉

Und nun möchte ich Euch noch von einem ganz besonderen Feiertag in Mexiko erzählen:
El dia de muertos
Dieser Tag wird in Mexiko am 2.11. überall in ganz Mexiko gefeiert. Er entspricht dem Feiertag, Allerheiligen in Deutschland. Doch im Gegensatz zu Allerheiligen, dass eher ein Fest der Trauer ist, wird dieses Tag in Mexiko mit Freude gefeiert. Sogar die Vorbereitungen auf diesen Tag beginnen schon zwei Wochen vorher. In der Schule trafen sich die Mütter der Kinder am Vormittag in der Schule und bastelten kunstvoll dekorierte Särge, in denen zuletzt die Skelettfigur hinein gelegt wird.
An diesem Tag ist Schulfrei, doch natürlich feierten wir mit den Kindern diesen Tag zwei Tage später nach. Einige Kinder kamen im Kostüm und geschminkt zur Schule. Auch ich schminkte mich im Gesicht nach der Totenfigur Catherina, die die Mexikaner sehr verehren. Wie bei jeder Feier trafen wir uns im Pausenhof, der schon mit den gebastelten Särgen und Fahnen an der Decke dekoriert wurde. Das einzige, was bis dahin noch fehlte war der Altar. Jede Klasse trug dazu was bei, dass der Altar am Schluss vollständig dekoriert war. So wurden, orangene Blumen, Fotos von Verstorbenen, Kerzen und zuletzt das Totenbrot „el pan de muertos“  an den Altar gestellt. Zum Abschluss der Feier bekam jedes Kind ein „pan de muertos“ und heiße Schokolade.

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Am „dia de muertos“, war ich mit Margareta und anderen mexikanischen Freunden auf dem Friedhof. Dort gingen viele Menschen ein und aus. Zuerst wurden die Gräber geputzt und poliert. Daraufhin half die ganze Familie mit, das Grab mit Blumen, Essen, Kerzen, … zu gestalten. Die Menschen in Mexiko nehmen einerseits Essen für sich selber mit auf den Friedhof, aber auch für die Verstorbenen. Sie haben die Vorstellung, dass an diesem besonderen Tag (oder auch Tagen) die Verstorbenen auf die Erde zurückkehren. Man trifft sich am Grab und es wird mit den Toten gegessen, gesungen. Auch Marachis sind auf dem Friedhof vorzufinden, um bei Bedarf ein oder mehrere Lieder am Grab vorzuspielen. Des Weiteren sieht man viele verschieden Fernsehteams, die die Leute interviewen. Das deutet daraufhin, dass dieser Tag nicht einfach so vorbei geht, sondern wirklich öffentlich gefeiert wird!
Anschließend besichtigten wir noch einen antiken Friedhof, der uns Einblick in verschiedene Erzählungen und Vorstellungen von Verstorbenen gab.

In der Prescular: Zur Abwechslung machten wir heute mit den Kindern einen Parcours aus Matten und darauf aufgebauten Hindernissen, die sie stehend wie auch krabbelnd überqueren mussten. Den meisten machte es viel Spaß, andere hingegen trauten sich entweder nicht die Schuhe und Socken auszuziehen oder hatten Angst alleine durch den Parcours zu gehen. Nach der ersten Übung folgte die zweite Übung:

Ein Barfußpfad aus 7 verschiedenen Materialien. Es begann mit Sand, Müsli und Sonnenblumenkerne. Darauf folgte Gelatine und zwei weitere Stationen mit Material aus ähnlichen Konsistenzen. Die letzte Station war warmes Wasser zum Füße Waschen und ein Handtuch zum Abtrocknen. Bei dieser Übung waren die Kinder sehr aufgeregt und verzogen bei der ein oder anderen Station auch das Gesicht  😀
Wie auch die Kinder, hatten auch wir Lehrer unseren Spaß daran!
(auch wenn wir anschließend die Sauerei wieder aufputzen mussten…)

Guadalajara, Freitag 30.09.2016

Hola 😉
Ich hoffe euch geht es gut. Der September ist fast schon vorbei und ich habe euch eine Menge zu erzählen.
Anfang September haben Margareta und ich einen Ausflug nach Chapala an den Lago de Chapala gemacht. Er ist mit dem Bus nur eine Stunde von Guadalajara entfernt und soll der größte See in ganz Mexiko sein. Wir fuhren ganz in der Früh dort hin, um den Tag auszunutzen. Dort angekommen schlenderten wir am menschenleeren Ufer entlang und beobachteten die Fischer, die vom Fischfang auf dem See zurückkamen. Es war schön, die Großstadt für einen Tag zu verlassen.
Da die Wasserqualität des Sees nicht ganz so schön ist blieben wir am Ufer.
Erst gegen Mittag kam ein Haufen Touristen, die sich am Ufer oder an kleinen Ständen mit Essen, Süßigkeiten, Schmuck, Souvenirs aufhielten. Doch gegen Nachmittag fing es an zu regnen und wir fuhren wieder nach Guadalajara.


Nun wird es auch mal Zeit von meiner Arbeit in der Helen Keller Schule zu berichten.
Die Helen Keller Schule befindet sich im Stadteil, Zapopan- wo Margareta und ich jeden Tag mit dem Bus hinfahren.
Um 9 Uhr versammeln sich alle Kinder im Schulhof und stellen sich geordnet zu „Formación“ auf. Anschließend geht jede Klasse in ihr Klassenzimmer. Insgesamt gibt es von den Babys abgesehen sechs Klassen. Ich helfe den Kindern in der preescolar.  Wenn „meine“ Klasse komplett ist, sind es  13 Schüler und Schülerinnen. Eigentlich kann man noch nicht von Schülern reden, da sie erst zwei bis vier Jahre alt sind.  Von ihnen kann der Großteil nichts mehr sehen, ein anderer Teil hat nur noch ein eingeschränktes Sehvermögen und dann gibt es aber auch noch zwei Kinder, die bis jetzt noch alles sehen können und es nur eine Frage der Zeit, bis sie nichts mehr sehen können.
Mit mir sind wir drei „Maestras“. Das möchte jetzt auf den ersten Moment für so wenige Kinder viel klingen, doch man muss berücksichtigen, dass die Kinder viel Unterstützung brauchen.
Jeden Tag beginnen wir mit einem Sitzkreis am Boden. Dort wird gesungen und mit den Händen geklatscht und mit den Füßen gestampft. Durch die Lieder lernen die Kinder auch gleichzeitig die Körperteile. Dass macht ihnen zunehmend mehr Spaß, da sie die Lieder nun schon in und auswendig können und somit fest mit singen können. Ein weiterer fester Bestandteil nach dem Singen, ist das Basteln.
Jedes Kind hat einen Ordner, in dem die Eltern das Material für die Schule sammeln und herrichten.
Die letzten Wochen lernten die Kinder die Figuren „triángulo, quadrado, rectángulo y circulo“. Meist sind die Formen aus Moosgummi für die Kinder auf einem Blattpapier aufgeklebt, sodass sie mit den Fingern die Form abtasten können.
In der Schule werden die Formen mit Farbe bemalt oder umrandet. Anschließend werden Sonnenblumenkerne aber auch Reis oder Müsli um oder auf die Form geklebt. Dies ist meist eine ziemliche Sauerei, da mehr Kerne an der Hand als auf dem Papier kleben. Da die Kinder an neuem Material erst einmal riechen, kommt es auch vor, dass das Müsli lieber gegessen anstatt auf das Papier geklebt wird.
Nach dem Basteln beschäftigt sich jedes Kind bis zur Pause mit unterschiedlichen Materialien. So gibt es Plastiline, einen Murmelkasten, eine Art Sandkasten, wo sie bestimmte Sachen raussuchen müssen, eine Art Puzzle nur mit unterschiedlichen Formen, eine Gelddose, wo sie Chips durch einen Schlitz im Deckel hinein stecken müssen, …  Durch diese unterschiedlichen Materialien lernen die Kinder hauptsächlich feinfühlig und selbstständig zu arbeiten.
Um 11 Uhr gibt es nach dem Händewaschen eine Brotzeitpause für alle Kinder. Je schneller sie fertig sind, desto früher können sie raus zum Spielen. Draußen haben wir eine Wippe, wie auch ein Bällebad, eine Schaukel und zwei Dreiräder wo sich die Kinder austoben können.Um 12 Uhr ist der Schultag für die Kinder aus der preescolar zu Ende und sie werden von ihren Eltern abgeholt.

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Margareta und ich gehen daraufhin in die Klasse von Gloria. Die Kinder sind Alter zwischen 6-8 Jahre alt und gehen schon in die Primaria. Dort helfen wir den Schülern bei ihren bereits angefangenen Arbeiten. So habe ich letztes Mal einem Kind die Zahlen von eins bis sechs in Braille diktiert und er musste sie in die sogenannte „Macina“ eintippen. Die „Máquina“ ist eine Art Schreibmaschine, die aus 8 Tasten besteht: Sechs Tasten sind für die sechs Punkte, eine Taste bildet die Leertaste ab, und zuletzt gibt es noch eine Entertaste. Diese Tasten reichen aus um alle Buchstaben, Zahlen wie auch Satzzeichen in Braille zu schreiben.
Dadurch dass die Kinder gerade Braille lernen, kann ich gleich mit lernen.
Bei einer anderen Aufgabe sollte ich mit zwei  Kindern, die noch sehen konnten Mathematik machen. So hatten sie jeweils einen Sack mit 10 Wäscheklammern. Aus diesem mussten sie mir entweder Wäscheklammern geben oder ich hab ihnen welche geben. Wie viele Klammern befinden sich nun im Sack??
Jeden Tag gibt es etwas Neues! Ein wieder anderes Mal hat mir ein Junge, der die Braille schon sehr gut beherrscht, aus einem Buch etwas vorgelesen. Es war für mich beeindruckend zu sehen, wie er anhand des Abtastens der Punkte mit den Fingern mir sagen konnte, welches Wort dort steht.
Gegen 1:30 Uhr gibt’s für die Kinder, die noch in der Schule bleiben essen. Auch dort helfen Margareta und ich beim Essen- und Essenverteilen mit und zeigen ihnen wie man richtig mit Besteck ist. Anschließend dürfen wir das leckere Essen von unserer Schulköchin genießen.

Ein bedeutsamer Tag hier in Mexiko war und ist der
15. September: el día de la Independencia
Unser Wohnheim, wie auch die Schule und die ganz Stadt wurde in den mexikanischen Farben rot, grün, weiß feierlich dekoriert. Die erste Feier startete im Wohnheim schon am Abend zu vor. Zum Essen gab es leckeren Mais und Tamalis und anschließend wurde gefeiert.

Made with Square InstaPic
Am nächsten Tag ging es in der Schule weiter. Die Kinder durften sich in den mex. Farben verkleiden und konnten typische mex. Gegenstände, wie den Sombrero mit in die Schule bringen. Während die Nationalhymne gesungen wurde, sind fünf Schüler mit der mexikanischen Flagge im Gleichschritt marschiert. Daraufhin durfte jedes Kind seinen mexikanischen Gegenstand vorstellen. Gegen Ende gab es für jedes Kind noch einen Becher voll Mais und nicht zu vergessen: Süßigkeiten!!
Ich genoss den Tag genauso wie die Kinder, die ihre Freude beim Sackhüpfen und Tauziehen hatten!

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Von einem Ereignis zum nächsten:
Mitte September wurden wir von einer Mitbewohnerin des Hauses eingeladen mit nach Guanajuato zu fahren.  Diese Einladung ließen wir uns nicht entgehen. Noch am selben Tag fuhren wir am Abend erst nach Irapuato und am darauffolgenden Tag nach Guanajuato, einer sehr schönen Stadt, eingebettet im Gebirge. Von einem Hügel aus hatte man einen gigantischen Ausblick auf die Stadt. Nachdem wir uns einen Überblick über die Stadt verschafft haben stiegen wir die schmalen Gassen in die Stadt hinunter. Da Feiertag war, kamen außer uns noch mehr Menschen auf die Idee, den Tag in der Stadt zu verbringen; so war einen Menge los!  Interessant ist, dass sich auf Grund der engen Straßen das Hauptverkehrsnetz unterhalb der Stadt befindet.  Guanajuato war nicht unsere Endstation. Gegen Abend setzten wir die Fahrt nach Dolores fort. Dort gingen wir erst in einem kleinen Straßenrestaurant etwas essen und dann auf den Markt, wo Händler von Käse bis Schmuck, Mais, Süßigkeiten, Getränke, Keramik, Pflanzen und Klamotten alles verkauften.
Kurz vor San Miguel übernachteten wir bei Verwandten von unserer Freundin. Von dort aus machten wir am darauffolgenden Tag einen Abstecher nach San Miguel, einer weiteren belebten schönen Stadt.
Dort ließen wir uns bei Sonnenschein das Eis schmecken- muy rico!
Nach der Messe am Sonntag gingen wir zum nächstliegenden Fluss, wo die Kinder im Wasser planschen konnten. Für mich war dieses Wochenende wie Urlaub und ich genoss es sehr, einen solch schönen Familienausflug und eine solch großzügige Gastfreundschaft miterleben zu dürfen.

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Da wir schon lang nichts mehr zu DRITT unternommen haben, beschlossen wir, dass letzte Wochenende gemeinsam nach Tlaquepaque, einem weiteren Stadtteil von Guadalajara zu fahren. Dieses ist bekannt für seine Künste,  kreativen Einrichtungen und auch den Schweinchen 😀

Guadalajara, Samstag 03.09.2016


Die ersten Tage in Mexiko 😉

Nach einem langen Flug über die USA sind Margareta, Justus und ich in Guadalajara gut angekommen. Jetzt sind es genau zwei Wochen. Margareta und ich wohnen in einem Studentinnenwohnheim im Stadtteil Italia Providencia, das von Schwestern geleitet wird. Hier teile ich mir ein Zimmer mit einer Mexikanerin. Justus hingegen wohnt in der Ciudad de los niños, wo er auch arbeitet. In den ersten Tagen erkundeten wir zu Fuß das Stadtviertel bei uns um die Ecke. Eine Stadt mit vielen Eindrücken wartet auf uns. Man sieht viele Menschen, die entweder auf dem Weg in die Arbeit sind, auf den Bus warten oder auch an einem Straßenstand ihre Ware verkaufen. Da gibt es dann häufig Obst-, Süßigkeiten- und Taccostände…
Des Weiteren ist auf der Straße viel Verkehr und jeder versucht so schnell wie er kann von A nach B zu kommen.

Am Montag (20.08.2016) war unser erster Schultag in der Helen-Keller Schule. Clara, eine Ex-Volontärin, die vor zwei Jahren in Guadalajara war und derzeit einige Wochen hier verbringt, zeigte uns den Weg zur  Schule. Es gibt hier keinen Busplan, der einem zeigt, mit welchem Bus man, ab welcher Haltestelle, wo hinfährt. Das macht die ganze Sache ein wenig kompliziert. Doch wenn man es einmal weiß, dann läuft es!
Das System funktioniert so: Man streckt einfach seinen Arm aus und wenn man Glück hat, dann hält der Bus an. In der Früh wie auch am Nachmittag sind die Busse sehr voll, sodass die Garantie einen Sitzplatz zu bekommen eher gering ist. Dann heißt es erstmal: Gut festhalten!
Die Busse hier fahren sehr rasant und bremsen bei jeder roten Ampel, bei jedem Buckel auf der Straße und bei jeder zusteigenden Person plötzlich ab. Zudem kommen noch die schlechten Fahrbahnbeläge mit vielen Schlaglöchern auf der Straße, die die Busfahrt zu einer Bootsfahrt machen. Das kann schon sehr abenteuerlich sein.

In den letzten Tagen mussten wir uns auch über unser ganzjähriges Visum kümmern, denn das jetzige  ist nur sechs Monate gültig. So fuhren wir mit etlichen Dokumenten zum Migrationsamt ins Zentrum. Dank Evelyn, einer weiteren Ex-Volontärin, die vor drei Jahren in Guadalajara war und jetzt wieder hier ist, konnten wir den ersten Teil gut meistern. Da unsere Spanischkenntnisse doch noch nicht ausreichten, übersetzte sie für uns, was für uns eine große Hilfe war.
Jetzt zu einem echt großen Problem – der Sprache!!
Mit Englisch kommt man hier leider nicht sehr weit, denn eigentlich spricht so gut wie jeder nur Spanisch.
Doch sobald man ein paar Wörter oder auch Sätze auf Spanisch sagen kann, freuen sich die Mexikaner.
Dass wir die Menschen oft nicht verstehen, liegt oft auch daran, dass sie sehr schnell reden und Wörter abkürzen. Hinzu kommen noch die vielen landespezifischen „mexikanischen“ Wörter. Dann wird es für uns noch komplizierter… doch daran arbeiten wir 😉

Doch hier im Wohnheim findet man schnell Kontakt zu netten mexikanischen Mädls, die einem viel zeigen wollen und zu denen wir kommen können, wenn wir etwas brauchen. Dass ist echt toll!!

Aindling, Dienstag 16.08.16

Bald geht es los!!!
Nur noch ein Tag im gewohnten Umfeld bis die lange Reise nach Mexiko beginnt. Die Vorfreude ist groß. Die Koffer sind gepackt. Das Visum ist ausgestellt. Jetzt kann es los gehen!
Vor allem die letzten Tage vergingen wie im Flug. Man möchte mit jedem noch so viel Zeit wie nur möglich verbringen. Aus diesem Grund machte ich gestern noch eine Abschiedsfeier, bei der wir am Nachmittag gemeinsam baden gingen, Volleyball und  Frisbee spielten und abends am Lagerfeur grillten, ratschten, sangen… Es war ein wunderschöner Abend. Der Abschied von guten Freunden fällt mir dennoch sehr schwer.
Dadurch, dass man zum Schluss alles nur noch einmal erleben kann, nimmt man es bewusster wahr, so wie auch mein letzter schöner Ausritt am Sonntagabend.